Zum Tod von Wolf MT6

Gemeinsame Stellungnahme der Umweltverbände IFAW, NABU und WWF

Wolf MT6 mit Senderhalsband - Foto: NABU/Jürgen Borris
Wolf MT6 mit Senderhalsband - Foto: NABU/Jürgen Borris

28.04.2016

Auch wenn das Schicksal des Einzeltieres tragisch ist, hat MT6 durch sein auffälliges Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko für Menschen dargestellt. Zuvor hatte das niedersächsische Umweltministerium entschieden, den Wolf wenn möglich einzufangen und in ein Gehege zu bringen. MT6 hatte sich wiederholt Menschen mit Hunden genähert und generell ein unberechenbares Verhalten an den Tag gelegt. Vergrämungsaktionen hatten in den vergangenen Monaten keine Erfolge gezeigt. Experten waren sich einig, dass auch weitere Vergrämungsversuche bei MT6 nicht dazu führen würden, dass er sein Verhalten ändert.

Die dauerhafte Rückkehr des Wolfs nach Deutschland ist nur mit der breiten Akzeptanz der Bevölkerung möglich. Es muss daher vermieden werden, dass einzelne auffällige Wölfe die Akzeptanz der ganzen Art gefährden. Auch muss verhindert werden, dass ein auffälliger Wolf sein Verhalten an den Nachwuchs weitergibt und somit möglicherweise ein ganzes Rudel auffälliges Verhalten zeigt. Um derartige Vorfälle zukünftig zu vermeiden, fordern die Verbände ein besseres und effizienteres Management seitens der Behörden.

Entsprechend der Anordnung des Ministeriums wurde das Tier am Mittwochabend im Landkreis Heidekreis im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr letal entnommen.

Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Kritisch ist nach gemeinsamer Auffassung der Verbände, dass nicht ausreichend untersucht ist, wodurch das auffällige Verhalten von MT6 ausgelöst wurde. IFAW, NABU und WWF plädieren ausdrücklich für die intensive Beobachtung des Munsteraner Rudels, aus dem das Tier ursprünglich stammt. Ziel muss es sein, dass sich ein Verhalten bei anderen Wölfen nicht wiederholt. Für den Fall, dass weitere Tiere auffälliges Verhalten zeigen, sollten zeitnah umfassende Vergrämungsmethoden eingeleitet werden. Da es besonders gefährlich wird, wenn Wölfe durch Menschen angefüttert werden und man sie auf diese Weise lehrt, Menschen aktiv aufzusuchen, muss die Aufklärungsarbeit auch seitens der zuständigen Behörden weiter intensiviert werden.

Zugleich betonten IFAW, NABU und WWF, dass sich aus dem aktuellen Fall keine Gesetzmäßigkeit ableiten lässt. Der Wolf ist eine in Deutschland streng geschützte Tierart. Jedes potentiell kritische Verhalten muss gesondert bewertet werden. Richtschnur und Leitlinie hierfür muss ein entsprechender Wolfs-Managementplan sein, der von den einzelnen Bundesländern im Vorfeld erarbeitet wurde. Die Einschätzung von Konfliktfällen beruht dabei auf einer Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz zum Umgang mit Wölfen in Deutschland.


Verbreitung in Niedersachsen (April 2016)

Territoriale Vorkommen

 

1. Rudel Munster
Auf den Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Munster-Süd konnten im Jahr 2011 die ersten Nachweise einer residenten Wolfsfähe erbracht werden. Im Jahr 2012 wurde auch ein Rüde im Territorium nachgewiesen. Die Fähe stammt aus dem Nochtener Rudel, der Rüde aus dem Seenlandrudel in Sachsen. Seit dem Jahr 2012 hat das Paar Nachwuchs:

2012: drei Welpen
2013
: sieben Welpen
2014
: sechs Welpen

2015: Juni: Besenderung eines männlichen Jährlings aus dem Munsteraner Rudel
         Juni: Besenderung eines weiblichen Jährlings aus dem Munsteraner Rudel
         Juni: Nachweis von mind. 4 Welpen

 

2. Rudel Bergen
Auf dem Truppenübungsplatz Bergen konnte im Jahr 2012 ein territoriales Wolfspaar nachgewiesen werden. Genetische Analysen aus dem Frühjahr 2013 zeigen interessanterweise, dass es sich hierbei um ein Geschwisterpaar aus dem Altengrabower Rudel in Sachsen-Anhalt handelt. Bei diesem Geschwisterpaar konnte seit dem Jahr 2013 Nachwuchs bestätigt werden:

           2013: vier Welpen
           2014: drei Welpen

           2015: mind. 1 Welpe

 

3. Rudel Gartow
Erste Hinweise auf Wolfsvorkommen gab es im Raum Gartow schon seit mehreren Jahren. Erst im Herbst 2011 gelang allerdings ein erstes Nachweisfoto in der Region von einem Wolf. Im Frühjahr 2013 konnte schließlich ein territoriales Wolfspaar in der Region bestätigt werden. Seit 2013 wird in dem Terriorium auch Nachwuchs dokumentiert:

            2013: sechs Welpen
            2014:
sieben Welpen

            2015: mind. 2 Welpen

 

4. Rudel Rheinmetall
Seit 2007 existieren immer wieder Nachweise für Wölfe auf dem Schießplatz Rheinmetall. Die Herkunft der Elterntiere ist bislang noch unklar. Im Juli 2014 konnte ein fotografischer Nachweis von mind. 3 Welpen erbracht werden und damit die Bestätigung des vierten Rudels in Niedersachsen

2014: drei Welpen

 

5. Rudel Eschede
Erste Einzelnachweise von einem Wolf im Raum Eschede im Landkreis Celle entstanden bereits im Herbst 2013. Im Februar 2014 gelang nun anhand eines Fotofallenbildes der Nachweis von zwei adulten Wölfen. Genetisch kann ein Rüde aus dem Lehniner Rudel aus Brandenburg bestätigt werden. Für das Jahr 2014 konnte in diesem Territorium bereits der erste Nachwuchs bestätigt werden:

2014: min. 1 Welpe

2015: 4 Welpen

 

6. Wolfsrudel Cuxhaven
Im Landkreis Cuxhaven gilt seit April 2012 eine Fähe als ortstreu, sie konnte mehrfach anhand von genetischen Nachweisen als standorttreu im Landkreis bestätigt werden. Nun (Juli 2014) konnte ein zweiter Wolf bestätigt werden. Filmaufnahmen eines Jägers zeigen einen Rüden, der deutliches Markierverhalten zeigt. Ein Foto beider Tiere bestätigt die Etablierung des Wolfspaares. Fähe (Altengrabower Rudel)X Rüde (Rudel Munster)

           2015: drei Welpen

 

7. Wolfsrudel Wietzendorf

Im Jahr 2015 konnte das erste Mal Reproduktion nachgewiesen werden.

 

           2015: 6 Welpen

 

8. Wolfspaar Fuhrberg                                                               
Im Raum Fuhrberg im Landkreis Celle konnte durch Videoaufnahmen im Oktober 2014 und genetischen Proben ein Wolfspaar nachgewiesen werden.

 

9. Territoriale Fähe in der Grafschaft Bentheim/Landkreis Emsland, seit 2014 Fähe (Gartower Rudel, Nds)

 

10. Territoriale Fähe im Raum Barnstorf (Grenzregion Landkreis Diepholz/Landkreis Vechta), seit 2014,Fähe (Gartower Rudel, Nds)

 

11. Wolfspaar in der Göhrde (Landkreis Lüchow-Dannenberg), seit 2015, Fähe (Göritzer Rudel, S-A) x Rüde (Gartower Rudel, Nds)

 

Landkreis Gifhorn: Neben Übergriffen auf Nutztiere im März, April und Mai 2015, gelang im August 2015 auch ein Fotonachweis eines Wolfes im Landkreis. Mittlerweile existiert im Nordkreis Gifhorn eine territoriale Fähe, welche als "Eschede Ost" bezeichnet wird. Das Tiere bewegt sich im Dreieck der Landkreise  Celle, Ulezen und Gifhorn. Sie entstammt dem Rudel Ückermünde aus Mecklenburg Vorpommern.
 

 

Quelle: LJN Niedersachsen