Gartengestaltung - Was kann jeder selbst tun?

Moderne Zeiten, moderne Gartengestaltung? Wer mit offenen Augen durch die Straßen zieht wird bemerkt haben, dass immer mehr Vorgärten eher einer Kiesgrube ähneln, statt einem Garten. Ulf Soltau bezeichnet diese Art der Gartengestaltung als „Gärten des Grauens“ und betreibt unter diesem Namen eine sehr erfolgreiche Facebookseite. Die jeweiligen Besitzer verfolgen dabei gar keine bösen Absichten. Die Herangehensweise ist vielmehr von möglichst wenig Arbeitsaufwand, einem aufgeräumten Erscheinungsbild und vor allem Unwissenheit geprägt. Gleiches gilt aber auch für auf den ersten Blick grün erscheinende Gärten. "Golfrasen", Korniferenhecken und viele der angebotenen Ziersträucher sind ebenso wertlos für Biodiversität im eigenen Garten. Den Wenigsten ist dies jedoch bewusst. Diese „Gärten des Grauens“ stellen eher ökologische Wüsten, statt Horte der Artenvielfalt dar. Mit welchen Nachteilen ist diese Art der Gartengestaltung verbunden und was kann ein Jeder von uns tun, um dem Artensterben auf der eigenen Scholle zu begegnen? Im Folgenden finden Sie dazu zahlreiche Tipps und Anregungen.

Nachteile von Schottergärten

 

Entgegen der landläufigen Meinung sind Schottergärten weder pflegeleicht, noch tragen sie etwas zu einer optischen Verschönerung. Die Nachteile dieser ökologischen Wüsten kurz und knapp:

 

 

 

 

  1. Durch den Einsatz eines entsprechenden Vlies (oder anderer Materialien) wird der Boden häufig komplett versiegelt, so dass Wasser nicht mehr im Erdreich versickern kann. Selbst bei der Verwendung wasserdurchlässiger Materialien ist diese Fläche für Tiere und Pflanzen verloren.
  2. Im Laufe der Zeit sorgen Blatt- und Pollenanflug dafür, dass sich auch auf der vermeintlich pflegeleichten Fläche erste Pflänzchen niederlassen, der Schotter sich verfärbt und man sichletztlich doch um dessen „Pflege“ kümmern muss. Im schlimmsten Fall kommen nun Gift, Laubsauger (oder die luftumgekehrte Alternative, der Laubbläser) zum Einsatz.
  3. Auf Grünflächen führt die durch Pflanzen durchgeführte Verdunstung von Wasser zu einer Abkühlung der Umgebung und trägt somit zu einem angenehmen Mikroklima bei. Schotterflächen heizen sich hingegen über die Maße auf, Speichern die Wärme für einen gewissen Zeitraum und führen somit zu einer weiteren Erwärmung im Siedlungsbereich.
  4. Schotterflächen sind ökologische Wüsten. Mit Ausnahme weniger Tierarten, sind diese Areale weitgehend tot. Sofern eine Bepflanzung vorgenommen wird, fällt die Wahl häufig auf immergrüne Gewächse, deren ökologischer Wert ebenfalls nicht ins Gewicht fällt.

 

Es bleibt zu hoffen, dass dies nach und nach in das Bewusstsein der Menschen gelangt und Schottergärten „geächtet“ werden. Spaziergänger, die kopfschüttelnd an einer solchen Fläche vorbeilaufen führen vermutlich ehr zu einem Umdenken, als reine Verbote. Davon abgesehen sind diese Flächen gemäß der niedersächsischen Bauordnung gar nicht zulässig.

 

Hier ist Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Das Ganze in Kombination mit dem Verbot der Anlage von Schotterflächen in Neubaugebiete. Hier kann eine jede Kommune einen entsprechenden Passus in den Bauplan aufnehmen.


Was kann Jeder selbst tun?

Die Möglichkeiten den eigenen Garten für Tiere und Pflanzen attraktiv zu gestalten sind vielfältig und meist kostengünstig. Zudem bedarf ein naturnah gestaltetes Stück Garten meist eines geringeren Arbeitsaufwandes. Wöchentliches Rasenmähen, stetes Wässern, Laub harken und viele andere „Pflegearbeiten“ entfallen oder können in deutlich geringerer Intensität durchgeführt werden.

Kein Golfrasen

Warum nicht einen Teil des Golfrasens wachsen lassen? Nichts ist einfacher als dies und mit etwas Geduld stellt sich dann eine gewisse Artenvielfalt von selbst ein. Wer sein Grün nur 1-2 x im Jahr mäht wird sich wundern, welche Pflanzen im Laufe der Zeit Einzug halten. Dabei gilt es Folgendes zu beachten:

 

  1. Mähen Sie nur 1-2x im Jahr. Die erste Mahd erfolgt im Sommer ca. Anfang bis Mitte Juli (Grund: Vorher sind nicht alle Samen reif und ausgefallen). Die zweite Mahd wird im Herbst,: ab 15. September bis Ende Oktober (Wiesenblumen bekommen durch abgestorbene Pflanzen-reste im Winter sonst im Frühling nicht genug Licht und Luft).
  2. Soll die Fläche abgemagert werden ist es wichtig das Mahdgut abzuräumen.
  3. Verwenden Sie statt eines Rasenmähers einen Balkenmäher oder eine Sense. Dies schont die Insektenwelt ihrer Wiese.
  4. Ein Mähroboter ist teuer und mulcht den Rasen, lässt das Schnittgut also auf der Fläche. Zudem stellt er eine Gefahr für Igel und sämtliche noch vorhandenen Insekten dar.

Kurzgeschorene Rasen müssen peinlich werden ;-)

Roundup - Foto: Eric Neuling
Roundup - Foto: Eric Neuling

Gärtnern ohne Gift

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Gift im Garten Nicht zu suchen haben. Die Verkaufszahlen in Baumärkten zeigen ein anderes Bild. Wer dem unerwünschten Bewuchs im Garten zu Leibe rücken möchte, den zwischen den Pflasterfugen grabenden Ameisen den Kampf ansagt und Löwenzahn als störend empfindet, der sollte sich über Alternativen zu Giften Gedanken machen, da diese nicht nur die vermeintlichen Zielarten bekämpfen, sondern auch zahlreiche Kollateralschäden hinterlassen. Vermeintliche Unkräuter lassen sich mechanisch entfernen. Dies bedarf zwar eines gewissen zeitlichen und sportlichen Mehraufwandes, dafür werden Igel, Rotkehlchen Maus und anderes Getier vom Giftcocktail verschont. Durch die Verwendung von Splitt kann man Ameisen das Graben vermiesen, Schnecken lassen sich absammeln oder die Beete durch die Verwendung von Edelstahlsperren absichern.

Torffreie Blumenerde - Foto: Helge May
Torffreie Blumenerde - Foto: Helge May

Torffrei Gärtnern

Wer nicht die Möglichkeit hat Kompost zu benutzen, greift meist auf gekaufte Blumenerde zurück. Die meisten in den Supermärkten und Gartencentern angebotenen Substrate sind jedoch torfhaltig, was bedeutet, dass ein besonders wichtiger Lebensraum dafür schwinden muss, dass Moor. Moore sind äußerst wichtige Kohlenstoffsenken (speichern Kohlenstoffdioxid), können dem Hochwasserschutz dienen, indem sie Spitzen abfangen, stellen Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten dar und sind letztlich ein immer seltener werdender Lebensraum. Dafür ursächlich sind Trockenlegungen zur Urbarmachung und eben der Torfabbau, primär für Pflanzsubstrate. Mittlerweile gibt es torffreie Alternativen und gerade hier hat man als Konsument eine wichtige Verantwortung und letztlich auch einen Einfluss auf das Angebot. Also – Gärtnern Sie torffrei!



Herbstlich bunte Hecke - Foto: Helge May
Herbstlich bunte Hecke - Foto: Helge May

Hecken schmecken

Heimische Wildstrauchhecke, statt immergrüner Korniferen-wand

 

Lebensbäume oder Thujen sind eine Pflanzengattung in der Familie der Zypressengewächse und werden leider häufig für Heckenpflanzungen verwendet. Im Gegensatz zu heimischen Wildsträuchern bieten sie aber keinerlei Nahrungsgrundlage für unsere Tierwelt, führen zu einer Versauerung des Bodens und bilden häufig eine immergrüne Hölle, deren Anblick wenig Abwechslung bietet. Mit Holunder, Weißdorn, Hartriegel und Co. stehen zahlreiche Alternativen zur Verfügung. Diese bilden ebenfalls dichte Bestände. Wer deren Laub unter der Hecke liegen lässt, tut zudem etwas für Igel und Amsel, die hier auch in den Wintermonaten Unterschlupf und Nahrung finden. Eine sehr gute Übersicht geeigneter Pflanzen finden Sie am Ende der Seite.

Gepflasterter Gartenweg - Foto: Marja Rottleb
Gepflasterter Gartenweg - Foto: Marja Rottleb

Flächen entsiegeln

Geschlossene Bebauung, Dachflächen und Pflaster führen meist zu einer Versiegelung der darunter befindlichen Fläche, so dass Niederschlagswasser nicht im Erdreich versickern kann und somit nutzlos über die Kanalisation abfließt. Dies hat letztlich Auswirkungen auf die Grundwasserneubildung, die Entstehung von Hochwässern. So können Parkplatzflächen für den PKW auch mit Rasengittersteinen ausgelegt werden. Diese lassen ein Großteil des Niederschlags versickern und in den Zwischenräumen können Pflanzen wachsen.

Naturteiche

Wenn Sie in kurzer Zeit die Artenvielfalt in Ihrem Garten erhöhen möchten, dann legen Sie einen (Natur-)Teich an. Diese Kleingewässer sind wahre Hotspots der Artenvielfalt, so man denn einige Aspekte berücksichtigt.

 

  • Je größer die Teichfläche, desto stabiler das Kleinstöko-system.
  • Ein Teich benötigt mehrere Tiefenzonen.
  • Verzichten sie auf Fischbesatz. Fische müssen gefüttert werden. Dieser permanente Nährstoffein-trag führt zu Verschlammung und Algenwachstum, was wiederum nur durch den Einsatz entsprechender Technik (Teichfilter etc.) abgemildert werden kann. Zudem futtern die Fische sämtliche Kleinlebewesen, die einen Teich ja gerade so attraktiv machen.

Ein besonderes Konzept stellen sogenannte Lichtteiche dar.



Totholzhecke am Sibylla-Marian Gymnasium Meinersen
Totholzhecke am Sibylla-Marian Gymnasium Meinersen

Totholzhecke

Im Garten fällt durch Rückschnitt immer mal wieder Totholz an. Man kann es zur Deponie fahren, oder damit eine Totholzhecke anlegen, was viele Vorteile bietet. Natürlich tut es auch ein kleinerer Totholz-haufen.

 

Diese Nutzung bringt einige Vorteile mit sich:

  • Nistmöglichkeit für Vögel
  • Tagesversteck für Igel
  • Versteck für Amphibien
  • Reptilien (unter anderem für unsere Zauneidechsen und Ringel-nattern) und
  • Tummelplatz für zahlreiche Wirbellose.

 

Geld- und Zeitersparnis, da man den Grünschnitt nicht aufwendig entsorgen muss.

Lesesteinhaufen am Sibylla-Merian Gymnasium Meinersen
Lesesteinhaufen am Sibylla-Merian Gymnasium Meinersen

Steinhaufen

Steinhaufen und Steinwälle sind Jahrhunderte alte Zeugnisse der bäuerlich geprägten Landschaftsge-schichte und Teil der traditionellen Kulturlandschaft. Hier sind sie darüber hinaus mit die wichtigsten Strukturelemente des intakten Reptilienlebensraums. Sie haben damit nicht nur einen hohen ökologischen, sondern auch einen kulturhistorischen und land-schaftsästhetischen Wert! Der Erhalt, die Pflege und die Neuanlage von Lesesteinhaufen, Lesesteinwällen und Trocken-mauern ist ein geeigneter Weg, um Reptilien und viele andere Kleintiere (Insekten, Spinnen, Schnecken, Kleinsäuger etc.) in der Kulturlandschaft zu fördern.

Nisthilfen aus Holzbeton
Nisthilfen aus Holzbeton

Kisten zum Nisten

Je abwechslungsreicher und vielfältiger unsere Umwelt gestaltet ist, desto mehr Lebensraum bietet sie für eine Vielzahl von Arten. Diese benötigen neben ausreichend Nahrung und Rückzugmöglichkeiten auch Orte zur Jungenaufzucht.

 

Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, Flächenversiegelung durch Siedlungsbau und Infrastrukturmaßnahmen führen in unserer Kulturlandschaft zu einem Mangel an geeigneten Lebensräumen. Dadurch finden viele Arten keine passenden Habitate zum Nisten oder Brüten mehr, wodurch deren Bestände zurückgehen, oder sie sogar vom Aussterben bedroht sein können.

 

Nisthilfen, können ein wenig Abhilfe schaffen. Sie bieten Insekten, Vögeln und Fledermäusen diesen geschützten Rückzugsort, der eine Aufzucht von Jungtieren, geschützt vor schädlichen Einflüssen, ermöglicht Der Schutz intakter Lebensräume sollte aber stets im Vordergrund stehen.


Downloads

Hier finden eine Zusammenstellung verschiedener Dokumente rund um die Gartengestaltung, die eine Ergänzung zu den oben aufgeführten Texten und Links darstellen.

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geeignete Heckenpflanzen
oekologisch-wertvolle-Straeucher.pdf
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insektenfreundliche Pflanzliste
Insektenfreundliche_Pflanzideen.pdf.pdf
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Rund um Lesesteinhaufen
Praxismerkblatt_Steinhaufen.pdf
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