Verbreitung in Deutschland (Stand April 2017)

Mitteldeutsche Tieflandpopulation - Vorkommen in Deutschland, Stand: April 2017
Mitteldeutsche Tieflandpopulation - Vorkommen in Deutschland, Stand: April 2017
Einzelwölfe seit 2000 Nachweise und bestätigte Hinweise in Bundesländern ohne Rudel oder Paare,  Stand: April 2017
Einzelwölfe seit 2000 Nachweise und bestätigte Hinweise in Bundesländern ohne Rudel oder Paare, Stand: April 2017
Totfunde von Wölfen seit 2000 nicht natürliche Ursachen (Verkehrsunfälle und illegale Abschüsse), Stand: April 2017
Totfunde von Wölfen seit 2000 nicht natürliche Ursachen (Verkehrsunfälle und illegale Abschüsse), Stand: April 2017


30.04.2017 - Tag des Wolfes

NABU: Herdenschutz schützt auch Wölfe

Miller: Anstrengungen für einen flächendeckenden Herdenschutz in Wolfsgebieten müssen intensiviert werden

© Sebastian Hennigs
© Sebastian Hennigs

Berlin – Zum diesjährigen „Tag des Wolfes“ (30.4.) appelliert der NABU an Bund und Länder sowie Nutztierhalter, Herdenschutzmaßnahmen intensiv voranzutreiben. Auch 15 Jahre nach Rückkehr der Wölfe nach Deutschland sind selbst in Bundesländern, in denen Wölfe bereits seit vielen Jahren leben, noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um Schafe und andere Nutztiere vor möglichen Übergriffen zu schützen. Ungeschützte Nutztiere können für Wölfe der Auslöser sein, häufiger auf Weiden nach Beute zu suchen.

 

„Die Pflicht zum Schutz von Nutztieren vor Schäden liegt bei den Eigentümern. Diese Aufgabe wird von sehr vielen Nutztierhaltern äußerst ernst ge-nommen. Wichtigstes Ziel muss es jedoch sein, dass Herdenschutz in Wolfs-regionen auch flächendeckend umgesetzt wird“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. In den Teilen Deutschlands, wo Wölfe erst seit kurzem heimisch seien, müssten Nutztierhalter aktiv unterstützt werden, um das Zusammenleben von Mensch und Wolf in einer besiedelten Land-schaft möglichst konfliktfrei zu regeln.

Ein Erfolgsmodell dafür ist der Herdenschutzhund. Der NABU stellt diese Ar-beitshunde daher in den Mittelpunkt des diesjährigen „Tag des Wolfes“. Her-denschutzhunde, offiziell als „Hirtenhund im Herdenschutzeinsatz“ bezeich-net, werden weltweit seit Jahrtausenden erfolgreich eingesetzt – nicht nur zum Schutz von Schafen, sondern auch bei Rindern, Pferden oder Gatterwild. Die Methode ist uralt und hat sich rund um den Globus bewährt: Über 50 ver-schiedene Rassen existieren. Einige davon schützen auch in Deutschland die ihnen anvertraute Herde gegen Übergriffe.

 

„Herdenschutzhunde wachsen schon als Welpe in ‚ihrer‘ Herde auf. Sie bin-den sich sowohl an das Territorium als auch an die Herdentiere. Bei Gefahr demonstrieren sie Stärke und Dominanz und schlagen Alarm. Wölfe riskieren in den seltensten Fällen einen Kampf mit den mindestens ebenbürtigen Hun-den und ziehen weiter. Diese Erfahrungen werden von Nutztierhaltern, die Herdenschutzhunde einsetzen, immer wieder bestätigt“, sagt NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. Die Zahl der durch Herdenschutzhunde be-wachten Herden in Deutschland nehme stetig zu – was wiederum den Wölfen nütze. „Weniger Konflikte führen zu mehr Akzeptanz – richtiger Herden-schutz nutzt also auch den Wölfen. Übrigens: Herdenschutzhunde stellen keine Gefahr für Touristen und Haushunde dar, sofern diese außerhalb des Zaunes bleiben oder sich auf Almweiden ruhig und besonnen verhalten“, so Bathen weiter.

Damit Herdenschutz in Wolfsgebieten flächendeckend angewendet und Herdenschutzhunde eingesetzt werden können, müssen für Nutztierhalter Anreize geschaffen und politische Rahmenbedingungen zügig angepasst werden. So sind zum Beispiel die Bestimmungen der Bundes-Hundehaltungsverordnung noch nicht auf den Einsatz von Herdenschutzhunden ausgerichtet. Auch ist die Vermeidung von Nutztierrissen immer noch kein Bestandteil der Ausbildung von Nutztierhaltern. Pauschale Beschränkungen der finanziellen Höhe staatlicher Unterstützung, beispielsweise bei der so genannten De minimis Beihilfe der EU, bewertet der NABU als absolut unzureichend und fordert eine entsprechende Nachbesserung.

 

Übersicht zu NABU-Aktivitäten zum Herdenschutz:

  •  Im dritten Jahr in Folge qualifiziert der NABU ehrenamtliche NABUWolfsbotschafter speziell in Herdenschutzschulungen. Der NABU Hessen hat ein einsatzfähiges Herdenschutzteam zur Unterstützung von betroffenen Tierhaltern ins Leben gerufen (www.wolf-hessen.de)
  • Der NABU Niedersachsen startete jüngst das Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“ zur Unterstützung von Weidetierhaltern bei der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen (www.herdenschutz-niedersachsen.de)
  • Der NABU-Bundesverband und Landesverband Niedersachsen sind Mitgründer des Arbeitskreises Pferd und Wolf (www.pferdundwolf.de) und arbeiten gemeinsam mit u.a. Pferdehalterverbänden an Lösungen zur Koexistenz von Pferd und Wolf
  • Unter dem Motto „Herdenschutz in der Praxis“ kooperieren in Baden-Württemberg seit Herbst 2015 Landesschafzuchtverband und NABU beim Thema Herdenschutz (www.NABU-BW.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-undprojekte/Herdenschutz)

Für Rückfragen:

Markus Bathen, NABU-Wolfsexperte, mobil: +49 (0) 172 645 35 37,

E-Mail: Markus.Bathen@NABU.de