Renaturierung des Großen Moores bei Gifhorn

Maßnahmen der Renaturierung des Großen Moores in Neudorf-Platendorf

Auch im Jahr 2014 werden die in Pflege- und Entwicklungsverträgen festgelegten Maßnahmen des Natur-/Umweltschutzes flächenspezifisch umgesetzt. Dazu zählen auch die aktuell durchgeführten Tätigkeiten der Renaturierung von Hochmoorbereichen im Großen Moor bei Gifhorn. Diese Arbeiten werden auf früher abgetorften bzw. noch bewirtschafteten Arealen durchgeführt. Sie sind zum dauerhaften Schutz der Moorlebensräume notwendig, weil diese von Natur aus seltenen oder besonders gefährdeten Habitate mit den landschaftstypischen Strukturen wertvolle Beiträge zum regionalen Schutz der Biodiversität leisten. Diese biologische Vielfalt ist besonders durch das Vorhandensein von typischen wasserbewohnenden, laufenden und fliegenden Insekten, Spinnentieren, Amphibien, Reptilien und einigen Vogelarten bzw. die für den Torfaufbau wichtigen Pflanzen der Wollgräser und Torfmoose gekennzeichnet.

 

Es sind dauernasse, saure, nährstoffarme Offenflächen des Flachlandes, die Kohlenstoff bzw. Kohlendioxid generationsübergreifend im Torf lagern. Sie beeinflussen des Regionalklima durch Speicherung und Abgabe von Wasser, Wärme und Kälte bzw. dienen eingeschränkt als Pufferbereiche, welche teilweise Schadstoffe aus der Umwelt binden. Intakte Moorgebiete besitzen Kapazitäten zur Rückhaltefähigkeit von Oberflächen- und Grundwässer. Große Hochmoorflächen bilden in Niedersachsen charakteristische Biotope, welche auf natürliche Art extreme Ansprüche an die sich in ihnen lebenden Tiere, Pflanzen, Moose, Pilze und deren Lebensgemeinschaften stellen.

 

Unter der Leitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des NABU Kreisverbandes Gifhorn e.V. bzw. in Kooperation mit dem Landkreis Gifhorn (Untere Naturschutzbehörde), des Landes Niedersachsen (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und den regionalen, torfabbauenden Firmen werden folgende geeignete Aktivitäten zur Strukturierung neuer Lebensräume am Matillenhof bei Neudorf-Platendorf ausgeführt:

  • Sammeln von Samen des Scheidigen und Schmalblättrigen Wollgrases aus Ernteflächen
  • Abstechen von Jungpflanzen der ausläuferbildenden Wollgräser aus Ernteflächen
  • Aussaat der Samen und Pflanzung angezüchteter Wollgräser bzw. der geernteten Jungpflanzen auf Renaturierungsflächen
  • Pflege und Bewässerung der Flächen im Hochsommer
  • Einbringen von alten bzw. toten Baumstubben an die Ufer der Torfbecken bzw. direkt ins Becken
  • Pflanzung von geernteten Torfmoosen im Herbst
  • teilweiser Aufbau von kleinen Pflanzeninseln in den staunassen Renaturierungsbecken
  • Förderung der Wiedervernässung, des Austausches von Wasser und der Wasserversauerung in den Torfbecken
  • Hemmung der Mineralisierung von Nährstoffen aus dem Torf und langfristiger Aufbau unterschiedlicher Torfschichten
  • Umweltbildung und Naherholung

In der 1. Abbildung ist deutlich der Unterschied zwischen den stark und wenig bewachsenen Torfkörpern zu sehen. Eine zu geringe oder fehlende Staunässe, zu geringe Einträge von Wollgrassamen oder eine zu schlechte Keimungsrate der moortypischen Samen bzw. das Fehlen von Ausläufern des Wollgrases von älteren Mutterpflanzen können mögliche Ursachen darstellen. Durch das Vorkommen diverser Binsenarten wird die Verbreitung der Wollgräser ebenfalls beeinträchtigt, da sich dadurch die Konkurrenz um Wasser, Ausbreitungsraum, Licht und Nährstoffe für Wollgräser und Torfmoose verschärft.

 

Infoflyer zum Moorprojekt hier

 

Abb. 1: wenig bewachsener Torf (links) und Torfbereich mit Wollgräsern und Binsen (rechts)  (Foto: Andrè Deter)
Abb. 1: wenig bewachsener Torf (links) und Torfbereich mit Wollgräsern und Binsen (rechts) (Foto: Andrè Deter)

Auf der Grundlage der Initialpflanzungen von Wollgräsern und Torfmoosen bilden sich später erste Verlandungsbereiche an den abgeflachten Ufern der Renaturierungsbecken, die wiederum die Grundlage für Nahrungs- und Fortpflanzungshabitate von Tieren wie z. B. Libellen, Jagd-, Spring- und Radnetzspinnen bzw. Moorfrösche darstellen. Die aus dem Wasser herausragenden Baumstubben können als Ansitze für z. B. Insektenjäger oder als Sonnenplätze für diverse Tiergruppen fungieren (s. Abb. 2).

 

In der Mitte und im Hintergrund der Abbildung 3 sind mehrjährige Sand-Birken auf den Dämmen der wiedervernässten Flächen zu erkennen. Auch sie stehen in Konkurrenz zu den Kräutern und Gräsern in der Krautschicht des Moores. Besonders Sand-Birken entziehen dem Boden im Zustand des Baumwachstums viel Wasser. Durch den verstärkten und schnellen Wuchs ihrer Baumkronen beschatten sie den Torfkörper und die Wasserfläche bzw. beeinträchtigen licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten. Ein verstärktes Auftreten der Birken muss hier verhindert werden, wenn die Bäume nicht von Natur aus im sauren Wassermilieu absterben.

 

Abb. 3: zusammenhängende Renaturierungsbecken mit bewachsenen Zwischendämmen (Foto: André Deter)
Abb. 3: zusammenhängende Renaturierungsbecken mit bewachsenen Zwischendämmen (Foto: André Deter)

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