Suez-Kanal, Neobiota, Desertifikation und Massentourismus

Beispiele extremer Fehlentwicklungen im internationalen Umwelt- und Naturschutz

Suez-Kanal

Die künstliche Wasserstraße verbindet in Nord-Ägypten das Rote Meer mit dem Mittelmeer. In die von Natur aus getrennten Meere erhöht sich damit potenziell der Eintrag von Tier-/Pflanzenarten, die sich über das fließende Kanalwasser, Ballastwasser der Schiffe bzw. über den menschlichen Handel mit Waren fortbewegen. Gravierende Probleme ergeben sich dann, wenn diese neu eingewanderten Tiere und Pflanzen dauerhaft überlebensfähige Populationen an neuen Orten ausbilden, welche die einheimischen Tier- und Pflanzenarten aggressiv verdrängen (Neobiota).

Neobiota

Invasive Tierarten (Neozoen) bzw. Pflanzenarten (Neophyten), die sich nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch weltweiten Handel, Transport usw. ausbreiteten, werden als Neobiota bezeichnet. Ihre globale Zunahme wird auch durch die natürlichen Ausbreitungsachsen der Flüsse und Meere bzw. durch bedeutsame Klimaveränderungen begünstigt. Auf Inseln wie z. B. in Hawaii sind ihre Auswirkungen auf die ursprünglichen Faunen und Floren besonders dramatisch. Japanischer Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut und Ambrosie sind Neophyten in Mitteleuropa. Die Kamschatka-Krabbe in der Beringsee, die Chinesische Wollhandkrabbe in Deutschland und die Aga-Kröte in Nord-Australien sind Beispiele für vom Menschen verursachte Fehlentwicklungen.

Desertifikation

Eine dramatische Folge der vom Menschen ausgehenden übermäßigen Landnutzung ist die Verwüstung von Landschaften infolge extremer, großflächiger Entholzungen. Böden können anschließend durch Wasser und Wind stark erodieren. Eine daran anschließende landwirtschaftliche Übernutzung der Flächen (Degradation) verstärkt die nicht nachhaltige Bodennutzung. Einbußen in der Ernte, Verarmung und Migration der regionalen Bevölkerungen können die Folgen sein. International bedeutende Beispiele sind die Abholzungen der Regenwälder in Brasilien, Kongo und Indonesien bzw. massive Desertifikationen (Versandungen, Entsiedlungen) um Peking in China. Gezielte regionaltypische Aufforstungen können einen Lösungsansatz gegen dieses Phänomen sein.

Massentourismus

Spanien, Türkei und Griechenland im Mittelmeer sind sehr stark vom Massentourismus betroffen. Durch massive Baubooms für Infrastrukturen, Hotels und Freizeitanlagen, Ausbeutung von Trinkwasserquellen, ungefilterte Einleitungen von Abstoffen in Gewässer/Weltmeere, Transport großer Menschenmassen und Übernutzungen von Landschaften können Degradationen bzw. Desertifikationen und den Eintrag von Neobiota verstärken. Ein begrenzter Tourismus, angepasst an vorher festgelegte regionaltypische Indikatoren (Personen pro Hektar, Abstände von Landschaften in Meter, Begehungszeiten usw.) könnte eine zukunftsfähige Perspektive sein.

Alle Beispiele der negativen Fehlentwicklungen sind deutlich erkennbar, wenn man das Mittelmeer betrachtet. Es wird von großen Landmassen umschlossen auf denen eine Vielzahl von Menschen leben bzw. welche als große Touristenzentren bekannt sind. Internationale Schifffahrtsrouten führen durch dieses Meer. Der Austausch des Meerwassers im Mittelmeer mit den Weltmeeren ist gering im Vergleich zu den internationalen Bewegungen der Wassermassen. Auch eine europäische bzw. internationale Betrachtung des Natur- und Umweltschutzes widerspricht nicht den regionalen Bemühungen zum Schutz der örtlichen Biodiversität im jeweiligen Untersuchungsraum.

 

(André Deter - NABU Kreisverband Gifhorn e.V.)