Naturschutz und Dauergrünland

Heuwirtschaft als ursprüngliche Form der Tierernährung im Winter

Dauergrünländer in Form der Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden stellen naturschutzfachlich sehr interessante Landnutzungssysteme dar. Weiden können durch diverse Nutztiere unterschiedlich verbissen werden. Es entstehen Kahlstellen, aufgerissene und komprimierte Bodenstrukturen bzw. trockene und feuchte Standorte der Tiere mit bzw. ohne Exkremente. Ganzjahresstandweiden sind Bereiche, die täglich durch robuste Tiere mit/ohne externe Zufütterung genutzt werden. Wiesen werden hauptsächlich zur Ernährung der Nutztiere außerhalb der Vegetationsperiode genutzt.

Durch die zunehmende Einstallung der Tiere auf Spaltböden ohne Einstreu auch in der Vegetationsperiode verbunden mit der massiven Einfuhr von Futterkomponenten aus Lateinamerika für Hochleistungstiere in Europa und dem teilweise veränderten Ernährungsverhalten der Menschen (Rinder aus Argentinien, Tierzucht in Neuseeland usw.) wird auch die naturschutzfachlich durchgeführte Heuwirtschaft minimiert. Dieser Umstand wird außerdem durch die Zugabe von externem Mineraldünger auf von Natur aus nährstoffarme Grünländer verstärkt. Zusätzlich werden auch Grenzertragsstandorte teilweise nicht standorttypisch bewirtschaftet.

Die Nutzung von kleinen Wildkräutern und Wildgräsern ist als Unterwuchs zur dominierenden Feldschicht zu empfehlen. Leguminosen, die Luftstickstoff binden können, sind ebenfalls Alternativen zur Strukturierung einer dem Standort angepassten Krautschicht mit Luzerne, Hasenklee, Vicken und Platterbsen. Rosettenpflanzen bedecken und schützen somit den Erdboden. Das Einjährige Rispengras wächst schnell zwischen die größeren Pflanzen und besiedelt kleine Nischen. Hirtentäschel und Schachtelhalme sind in begrenztem Umfang nur geringe Konkurrenzen um Nahrung, Licht, Wasser und Raum zu den landwirtschaftlich wichtigen Biomassen mit Liesch- und Weidelgräsern bzw. Fuchsschwanz. Die mehrtägige Trocknung von Mahdgut auf Wiesen ist nicht nur landwirtschaftlich sehr bedeutsam. Gemähte Pflanzen können im Rahmen der Notreife noch Samen zum Aufbau einer neuen Generation abgeben, welche unter dem Mahdgut Schutz finden. Tiere finden Verstecke oder können sich kurz nach der Mahd zurückziehen oder sind selbst Beute für andere Tiere.

 

(Andrè Deter - NABU Kreisverband Gifhorn e.V. )

 

Weißstörche im Naturschutzgebiet „Viehmoor“ bei Leiferde (Foto: Andrè Deter)
Weißstörche im Naturschutzgebiet „Viehmoor“ bei Leiferde (Foto: Andrè Deter)