Nachhaltiger Aufbau neuer Erden zur Bodenverbesserung

Kompost, Landschaftspflegegut und Rindenhumus als zukunftsfähiger Torfersatz ?

Hinsichtlich des dauerhaften Schutzes der bewirtschafteten Moore und einer steten Produktion von Erden zur Bodenverbesserung für private und öffentliche Einrichtungen könnten Kompostanlagen, diverse Biomassen aus der Landschaftspflege und Rindenhumus zukünftig an Bedeutung gewinnen. Die Pflanzenreste fallen durch viele unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten an, sind im gesamten Bundesgebiet vorhanden und lassen sich leicht weiterverarbeiten. Sie stellen Alternativen dar, um den Nutzungsdruck auf bewirtschaftete Moore zu verringern und bieten Möglichkeiten, um Arbeitskräfte in der Produktion nachhaltiger Erden einzusetzen. Ein weiteres naturschutzfachliches Potenzial liegt in der deutschland- bzw. europaweiten, anerkannten Zertifizierung verschiedener Erden mit möglichst eindeutigen und realisierbaren Umweltstandards. Komposte sind in den Haushalten bzw. in den Biotonnen der Kommunen stets vorhanden. Gartenabfälle können kommunal erfasst und gesammelt werden. Biomassen der Landschaftspflege wie Heu, Sträucher und Bäume aus der Pflege von Offenland fallen teilweise saisonbedingt an, und können ebenfalls Beiträge zur Verbesserung von Böden liefern. Durch die Holznutzung ist auch Rindenhumus dauerhaft vorrätig.

Die Produktion von nachhaltigen Erden wird dann problematisch, wenn dafür andere Naturressourcen großflächig und dauerhaft eingesetzt werden. Zusätzliche Beeinträchtigungen entstehen im Umwelt- und Naturschutz, wenn fremdländische Biomassen über große Entfernungen ohne Umweltstandards in Deutschland weiterverarbeitet werden. Um dem entgegenzuwirken, scheint eine umwelt- und naturschutzfachliche Zertifizierung für den europäischen Biomassehandel unumgänglich. Die Herstellung von kostengünstigen und schnellwachsenden Hölzern und Holzresten in anerkannten Plantagen mit unterschiedlich alten Bäumen als „Energiewald“ außerhalb der naturnahen Wälder könnte ein Lösungsansatz sein. Um Flächenkonkurrenzen mit Waldbesitzern zu vermeiden, sollte dieser „Energiewald“ auf nicht genutzten Agrarflächen bewirtschaftet werden. Diese Möglichkeit eröffnet Landwirtinnen und Landwirte neue berufliche Perspektiven außerhalb der Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Zusätzliche Impulse ergeben sich für den Naturschutz, wenn diese Agroforstkulturen bzw. Kurzumtriebsplantagen keine großflächigen und nachhaltigen Schädigungen auf die Schutzgüter der Umwelt hervorrufen (Mensch, Klima/Luft, Boden, Wasser, Faunen und Floren). Durch den möglichst vielgestaltigen Aufbau solcher Energiesysteme für Dörfer, Städte bzw. regionale Planungsgemeinschaften könnten positive Einflüsse auf die Naherholung der Bevölkerung, die Umweltbildung für heranwachsende Generationen und den begrenzten Tourismus ausgehen.

Der Aufbau dieser komplexen, eigenständigen Biomassepfade in Form von Pflanzenplantagen könnte zusätzlich zu anderen Lösungsstrategien wertvolle Beiträge zum Moorschutz liefern. Ihr dementsprechender Einfluss ist sicherlich aufgrund der notwendigen Massenproduktion diverser Erden für Haushalte, den Garten- und Landschaftsbau und den Industriebereich begrenzt. Darüber hinaus müssen weiterführende marktrelevante Strategien gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und naturschutzfachlich entwickelt werden. Biomassepotenzialstudien der einzelnen Bundesländer bzw. europäischer Regionen könnten ein weiterführender Ansatz sein. In den Raumordnungen müssten die regenerativen Biomassepfade agrarstrukturell geplant und auch später als Maßnahmen zur Kompensation anerkannt werden. Ökoflächenpools der Städte könnten damit erweitert werden. Zusätzliche Förderungen solcher Maßnahmen zur Etablierung dieser neuer Landnutzungssysteme sind z. B. durch Agrarumweltprogramme ebenfalls sehr sinnvoll.

(Andrè Deter vom NABU Kreisverband Gifhorn e. V.)