Feldgehölzinseln und Gräben mit Hecken und Baumreihen

Beispiele zur naturschutzfachlichen Strukturierung von Agrarlandschaften

Neben großflächig umsetzbaren Naturschutzmaßnahmen in Form der landwirtschaftlich sehr abwechslungsreichen Fruchtfolge und Fruchtartendiversifizierung im Agrarraum können zusätzlich punkt- und linienartig angelegte Habitate sehr nützliche Elemente zur Strukturierung von Agrarlandschaften sein. Aufgrund der Flächenkonkurrenzen dieser kleinen Ökosysteme zu den bewirtschafteten Agrarbereichen ist eine breitangelegte Etablierung direkt in Schlägen ohne naturschutzfachliche Ausgleichszahlung wegen des Ernteverlustes für den Flächeneigentümer schwer möglich. Eine modellhafte Umsetzung der Anlage von Feldgehölzinseln und Gräben mit starkem Bewuchs könnte demnach vorrangig auf Schlägen im Eigentum der Bundesländer durchgeführt werden. Mit Unterstützung von Fördergeldern aus der Europäischen Union in Brüssel könnte man so auch das Programm zum Aufbau von Blühstreifen in der Fläche mit anderen Naturschutzqualitäten ergänzen. Wenn sich diese Maßnahmen als naturschutzfachlich wertvoll herausstellen sollte, so könnte eine Ausweitung dieser Agrarstrukturierung mit landwirtschaftlichen Handlungsempfehlungen für Privateigentum, gekoppelt mit Entschädigungszahlungen, geplant werden. Die Bedeutung der Strukturierung von Agrarlandschaften wird hervorgehoben, wenn man bedenkt, dass ca. 53 % des bundesdeutschen Bodens landwirtschaftlich genutzt werden.

Inseln mit Feldgehölzen stellen besonders in monoton genutzten, großen Schlägen Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen dar. Mit unterschiedlich hoch gewachsenen Pflanzen in der Feld-, Strauch- und Baumschicht, Beerenobst, Ansitze für Greifvögel und Alt- bzw. Totholz könnten sie als „Trittsteine“ in weitverbreiteten Agrarökosystemen weiterentwickelt werden. Kleine Senken, die einen feuchteren Untergrund besitzen, könnten so im Feld vorrangig von mobilen Tierarten wie Vögel, Blütenbesucher, diverse Irrgäste, Füchse, Dachse, Kleinsäuger, Rehwild usw. genutzt werden.

Der vorrangig an den Südufern von Gräben angelegte Bereich mit Hecken und Baumreihen könnte aufgrund der Beschattung des Wasserkörpers und des nahen Umfeldes Minimierungen des Pflegeaufwandes (Grundräumung und Krautung) nach sich ziehen. Einträge von Düngemitteln und Bioziden aus dem Boden könnten durch den anders genutzten Boden als Puffer verringert werden. Hecken und Baumreihen sollten auch hinsichtlich der Fortbewegung von Schmetterlingen in periodischen Abständen unterbrochen werden. Geradlinig verlaufende Gräben könnten je nach Nutzung, Relief und Anbindung an naturnahe Oberflächengewässer mäandrierend aufgebaut sein, um so einen leicht schlangenlinienartigen Verlauf mit kleinen Gleit-/Prallhängen zu unterstützen. Findlinge mit Sedimente aus verschiedenen Sanden und Kiesen, welche die Entwässerung der Oberfläche nur wenig bzw. nicht behindern, sind weitere wichtige Kleinstrukturen in Gräben. Verrohrungen des Wasserkörpers sollten auf ein notwendiges Maß reduziert werden. Die Anbindung von privaten Kleinstkläranlagen an die städtische Kanalisation ist auch bezüglich des Eintrages von Nährstoffen aus der Landwirtschaft in Oberflächengewässer zu begrüßen.

 

(Andrè Deter - NABU Kreisverband Gifhorn e.V.)

 

Feldgehölzinsel in der Getreidestoppel bei Steinhöfel in Brandenburg (Foto: Andrè Deter)
Feldgehölzinsel in der Getreidestoppel bei Steinhöfel in Brandenburg (Foto: Andrè Deter)
Graben in der Getreidestoppel bei Steinhöfel in Brandenburg (Foto: Andrè Deter)
Graben in der Getreidestoppel bei Steinhöfel in Brandenburg (Foto: Andrè Deter)