Aus der Arbeit der Koordinationsstelle KONU

Bebauungspläne, geplante Radwege und neue Windparks – 2013 viel zu tun in der Verbandsbeteiligung   von Friederike Franke

Neue Baugebiete

 

Zu insgesamt 48 Vorgängen Plänen und Projekten im Landkreis Gifhorn haben sich die sieben, in der Koordinationsstelle KONU zusammenarbeitenden Verbände – einer davon auch der Naturschutzbund - 2013 gemeinsam geäußert. Davon wurden allein 23 Bebauungspläne aus den Samtgemeinden Papenteich, Isenbüttel, Meinersen und Hankensbüttel unter die 'Naturschutz-Lupe' genommen. In der Regel begutachten die Verbände in den Bauplänen vor allem die Eingriffsbilanz: Wieviel Fläche wird ver-siegelt, wie und wo werden dafür Ausgleichsmaßnahmen gemacht ? Insbesondere die bei Planern beliebten Festsetzungen für Baumpflanzungen auf den privaten Baugrund-stücken sind den Naturschützern der KONU ein Dorn im Auge. Leider halten sich näm-lich längst nicht alle Bauherren an die Verpflichtung, einen oder mehrere Bäume zu pflanzen, und die Gemeinden tun sich sehr schwer damit, diese Auflagen einzufordern.

 

Besser geeignet wären kommunale Grünflächen als strukturierende Bestandteile von Neubaugebieten oder externe Flächenpools.

 

Um diese spezielle Fragestellung mit Experten zu erörtern, haben die kooperierenden Verbände im Oktober eine halbtägige Veranstaltung zum Thema 'Umweltbericht in der Bauleitplanung' organisiert. Mit den renommierten Referenten aus Planungsbüros und Verwaltung Prof. Dr. Thomas Kaiser, Eberhard Lüderitz und Klaus Schell konnten sich die teilnehmenden Bauamtsleiter, Naturschutzbeauftragte und Naturschützer intensiv austauschen. Es wurde verabredet, eine Checkliste zur Abarbeitung der Bebauungspläne zu erstellen und eine Veranstaltung zum Thema 'Flächenpool' zeitnah folgen zu lassen.

 

Neue Radwege

 

Auch bei der Genehmigung von sechs Radwegen wurden die Verbände beteiligt – so z.B. an der K94 (bei Brome), an der K65 (b. Gravenhorst), an der K45 ( bei Leiferde) und an der B244 (bei Croya). Grundsätzlich können derartige Planungen von Straßen

 

begleitenden Radwegen nur begrüßt werden. Allerdings sind Art und Umfang der er-forderlichen Kompensationen ( zumeist Gehölzanpflanzungen ) immer kritisch zu überprüfen.

 

Neue Windparks

 

Das Regionale Raumordnungsprogramm des Zweckverbandes Großraum Braunschweig soll geändert werden, um weitere Vorranggebiete für die Windenergienutzung planvoll auszuweisen. Dabei mussten allein im Landkreis Gifhorn 17 geplante Vorrangflächen

 

(davon 10 neue Standorte und 7 Erweiterungen bestehender Windparks) aus Natur-schutzsicht begutachtet werden. Der Plan sieht auf rd. 2.100 ha Windparkfläche insgesamt 113 mögliche, neue Windenergieanlagen vor, derzeit sind kreisweit lediglich 35

 

Anlage in Betrieb. Lebensräume bestimmter Großvogelarten wie Rotmilan, Seeadler, Schwarzstorch oder Kranich vertragen sich nicht mit Windrädern – die Vögel sind stark kollisionsgefährdet bzw. störungsempfindlich. Auch einige Fledermausarten können durch die Anlagen massiv Schaden nehmen. Deshalb muss jedes einzelne Plangebiet sorgfältig untersucht werden, um die Artenschutzbelange angemessen zu würdigen.

 

Der Landkreis Gifhorn hat eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte, ist stark landwirtschaftlich geprägt und weist oft ausgedehnte, z. T. auch sehr störungsarme Waldgebiete auf . Hier finden die genannten, streng geschützten Vogelarten noch ver-hältnismäßig häufig Lebensraum.

 

Die in der KONU zusammenarbeiten Verbände drängen darauf, dass die Energiewende unbedingt naturverträglich sein muss. Deshalb haben sie ihre schwerwiegenden Bedenken (hinsichtlich des Artenschutzes und des Landschaftsbildes) in einer umfänglichen Stellungnahme gegenüber dem Zweckverband dargelegt. Nun muss dieser abwägen und entscheiden.

 

Bereisungen

 

Um sich von verschiedenen 'Baustellen ' direkt einen Eindruck zu verschaffen, machen die Naturschützer aus den unterschiedlichen Verbänden regelmäßig gemeinsame Berei-sungen. So wurde 2013 u.a. auch eine Biogasanlage in Ummern besichtigt, bei der die entstehende Abwärme für eine Aquakultur ( Zanderzucht ) genutzt wird. Auf dem Wege durch den Staatsforst Wienhausen kam es zur Begegnung mit einem kapitalen Rothirsch, der gerade einen Waldsee durchquerte – dieses war sicherlich einer der Höhepunkte der Bereisung.

 

Weiterhin besichtigte der Arbeitskreis die Baustelle des geplanten Allerkraftwerks in Müden-Dieckhorst. Hier soll gleichzeitig mit einer Wasserkraftanlage auch eine Fisch-aufstiegsanlage gebaut werden. Damit wäre endlich die Durchgängigkeit der Aller für Wasser wandernde Tierarten wieder hergestellt, und die oberhalb liegende Flussaue könnte erneut planvoll vernässt werden.