„... auch ein aufgeräumter Garten ist naturschutzfachlich wertvoll…“

Möglichkeiten und Grenzen zum Schutz der regionalen Biodiversität im Gartenland

Neben Parks, Friedhöfe, Stadtwälder bzw. innerstädtischen Wiesen und Weiden ist das Gartenland eine vom Menschen geprägte typische Form der kleinstrukturierten Landnutzung in Dörfern, Städten und Ballungsgebieten, meint André Deter. Der in Sachsen-Anhalt geborene Naturschützer bewirtschaftet in Bitterfeld selbst 2 Gartenparzellen mit ca. 1.200 Quadratmeter Fläche. Er hebt hervor, dass diese sehr sinnvolle Gestaltung der Freizeit mit Obst- bzw. Gemüseanbau und Kleintierhaltung den Natur- und Umweltschutz bereichert. „Gärten müssen den individuellen Bedürfnissen der Menschen entsprechen, wobei auch ein aufgeräumter Garten naturschutzfachlich wertvoll ist“, erklärt er. Zusätzliche positive Aspekte werden durch die Naherholung für Besucher bzw. durch die Umweltbildung speziell für Schulen und Kindergärten erreicht. Nicht oder wenig versiegelte Flächen leisten in städtischen Gebieten einen Beitrag zur Rückhaltefähigkeit von Niederschlägen im Erdboden. Große Offenflächen beeinflussen ebenfalls das innerstädtische Kleinklima.

Gärten können keinesfalls den praktischen Natur- und Umweltschutz in außerstädtischen Arealen (z. B. Agrarflächen, Wälder bzw. stehende und fließende Gewässer) und Großschutzgebieten wie Biosphärenreservaten, Nationalparks und großen Naturschutzgebieten ersetzen, da in diesen speziellen Biotopen andere Arten und Lebensgemeinschaften vorkommen bzw. weiterführende Naturschutzaspekte von Bedeutung sind wie unter anderem ein totales Zutrittsverbot oder die geringere intensive Landnutzung zum Schutz spezieller Tiere, Pflanzen, Flechten, Moose und Pilze in ihren Biotopen. Der Schutz der regionalen Biodiversität ist demnach im Gartenland nur sehr begrenzt möglich. Herr Deter verweist aber auch auf die vielgestaltige Nutzung von Gartenparzellen in bebauten Bereichen mit Wiesenmahd, kleinstrukturiertem Ackerbau, Nutzung von Obstbäumen, kleinen Teichen, Mist- und Komposthaufen ohne Geruchsbelästigung und dem gleichzeitigen Anbau diverser Pflanzen in der Vegetationsperiode von März bis Oktober mit z. B. Wild- und Kulturblumen, früh- bzw. spätreifen Nahrungs- und Futterpflanzen und auch Hecken, Sträucher bzw. Baumgruppen.

Zum Schutz der Tiergruppen im/am Boden ist die sehr intensive Gartennutzung außerhalb der Vegetationsperiode von Oktober/November bis Februar/März nicht zu empfehlen. Weitgehend dauerhafte Biotopstrukturen helfen der Fauna und Flora. So kann der Anbau von z. B. Grün- und Rosenkohl, Mangold, Vogelbeere und sehr späten Obstsorten Nahrungsreserven für Tiere in den Wintermonaten sein. In diesem Zeitraum sollte der Erdboden nicht bearbeitet werden. Der Bitterfelder unterstreicht auch den individuellen und verantwortungsvollen Umgang mit chemischen Bekämpfungsmitteln im Sommer.

Erdbeeren gemischt mit Gräsern und Kräutern am NABU Büro in Leiferde (Foto: Andrè Deter)
Erdbeeren gemischt mit Gräsern und Kräutern am NABU Büro in Leiferde (Foto: Andrè Deter)
Stehendes Kleingewässer mit Uferbewuchs am NABU Büro in Leiferde (Foto: Andrè Deter)
Stehendes Kleingewässer mit Uferbewuchs am NABU Büro in Leiferde (Foto: Andrè Deter)