Energie aus Biomasse – Chancen , Risiken , Nebenwirkungen

'Aufbruch ins Zeitalter der Biomasse' – 'Der Bauer als Scheich' – 'Belästigung des Menschen' - 'Zerstörung der Artenvielfalt' – 'Vernichtung der Lebensgrundlagen' -
in diesem weiten Bogen (teils Zitate aus Zeitungsüberschriften) bewegt sich der Vortrag von

Uwe Baumert, Mitglied des NABU Landesvorstandes in Niedersachsen und

Kreisvorsitzender des NABU Kreisverbandes Bremervörde-Zeven

am Dienstag, den 27.04.2010 um 19:30 Uhr im Strohballenhaus des NABU Kreisverbandes Gifhorn, Hauptstraße 24 in Leiferde

Baumert befasst sich seit dem Jahre 2000 intensiv mit 'Regenerativen Energien' aus Sicht des Naturschutzes und unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit der Energieversorgung.

Die Naturschützer bejahen die absolute Notwendigkeit von erneuerbaren Energien, zeigen aber auf, dass der eingeschlagene Weg erhebliche Risiken für Mensch und Natur beinhaltet und dass auch damit die Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung in ländlichen Regionen verloren zu gehen droht.

Der Vortrag mahnt Veränderungen in der Praxis an, damit die Erzeugung von Energie aus Biomasse kein kurzlebiges, heftig umkämpftes Intermezzo wird, sondern naturverträglich und nachhaltig eine langlebige Form der Energieversorgung darstellt.

'Regenerative Energien sind eine Herzensangelegenheit des Naturschutzes',

aber 'jede Form der Energienutzung – auch die der 'erneuerbaren Energien' - ist mit Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden und muss deshalb in ihrer praktischen Umsetzung und deren Folgen für Mensch und Natur kritisch begleitet werden'. Diese NABU Position erläutert Uwe Baumert, der auch Mitglied des NABU Landesvorstandes ist, in seinem ca. 1 ½ stündigen Vortrag.

Energie aus Biomasse ist grundsätzlich eine faszinierende Idee, aus wirtschaftlicher Sicht wie aus ökologischer, wobei Chancen und Risiken dieser Form der Energiegewinnung aus Naturschutzsicht dargestellt werden. Die Nutzung und Weiterentwicklung 'Regenerativer Energien' sei jedem Naturschützer per se eine Herzensangelegenheit.

Wir brauchen Alternativen zu den endlichen fossilen Brennstoffen, die über kurz oder lang zu Neige gehen und den schier unermesslichen 'Energiehunger' des Menschen nicht mehr befriedigen können. Der Vortrag macht deutlich, dass 'Erneuerbare Energien' unverzichtbar sind, allein schon um CO2-Emissionen abzusenken und dem Klimawandel entgegen zu wirken. Aus Gründen der Akzeptanz und der größeren Unabhängigkeit von nur einem oder von wenigen Energieträgern ist ein ausgewogener Energiemix das Gebot der Stunde. Beschrieben werden die verschiedenen Anlagenformen und Anwendungsgebiete zur Herstellung von Energie aus Biomasse. Dazu zählt neben der Erzeugung von Strom in Biogasanlagen auch die Herstellung von Kraftstoffen für Fahrzeuge.

Probleme in beiden Fällen bereiten die bereits jetzt riesigen Monokulturen in der derzeitigen Anbaupraxis bei den nachwachsenden Rohstoffen, eine absolute Gefahr für das Überleben vieler Arten von tierischen und pflanzlichen Lebensformen. "Eine Potenzierung des Artensterbens wäre vorprogrammiert, würde diese Praxis ungehemmt weiter ausgedehnt und sogar noch finanziell gefördert", so Baumert. Eine absolute Horrorvision, im Jahre 2030 in Deutschland eine Fläche von ca. 8 Mio. ha (je 4 Mio. für 'Energie aus Biomasse' und 'Kraftstoffen aus Biomasse') von insgesamt 11,7 Mio. ha zur Verfügung stehenden Ackerflächen mit Mais und Rapsmonokulturen zu bepflanzen. Die Folgen wären nicht auszudenken: Monokulturen jeglicher Art vernichten Nahrungsketten und führen zu massenhaftem Artensterben.

Eine gesunde Artenvielfalt ist aber unerlässlich für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder und deren Ressourcen, z.B. für die Ernährung, die Entwicklung von Medikamenten und so vieles mehr, nicht zuletzt für deren Lebensqualität.

Eine rechtzeitige Umorientierung hin zu einem 'Energiepflanzenmix' mit verschiedensten Anbaupflanzen zur Energiegewinnung ist eine der Forderungen des NABU. Theoretisch gibt es bereits etliche Ansätze, die aber in der Praxis leider kaum umgesetzt werden. Dazu bedarf es weiterer Forschung. Immerhin hat die Niedersächsische Landesregierung inzwischen € 600.000 zur Verfügung gestellt, die der Forschung und Züchtung von weiteren 'Energiepflanzen' dienen sollen und hoffentlich Experimente mit Genmais unrentabel werden lassen. Andere ertragreiche Pflanzen und eingehaltene Fruchtfolgen sind auf Dauer der Akzeptanz von Biogasanlagen in der ländlichen Bevölkerung dienlicher als nur schneller und möglichst hoher Profit, weil augenblicklich Mais eben die höchste Methanausbeute bringe.

Der ursprünglich gute Ansatz – geplant war die Nutzung von Gülle und z.B. Grasschnitt – ist in Gefahr, da Gülle immer weniger Verwendung findet. Die enormen Überkapazitäten von Gülle aus der Intensivhaltung sollte eine unschädliche und sinnvolle Verwendung finden. So verbrauchen sie keine anderweitig sinnvoll nutzbaren oder aus Naturschutzsicht wertvollen, artenreichen Flächen, wie dies bei in Riesenmonokulturen erzeugtem Mais und Raps der Fall ist. Allein mit einer modifizierten Förderpraxis kann die Politik Zeichen für eine umweltfreundlichere Erzeugung setzen.

Die bereits jetzt schon erheblichen Akzeptanzprobleme in sog. Vorreitergebieten in Sachen Biogasanlagen, zu denen auch der Landkreis Rotenburg/Wümme gehört, werden mit Sicherheit nicht weniger, würde der jetzige Weg uneingeschränkt weiter beschritten. Ein guter Ansatz, der u.a. auch zum Erhalt vieler Betriebe der bäuerlichen Landwirtschaft beitragen könnte, muss erhalten werden. Es darf mit der Erzeugung von Biomasse nicht mehr Schaden angerichtet werden als man daraus Nutzen ziehen kann, so Uwe Baumerts Meinung.

Landwirtschaft und Naturschutz sollten an einem Strang ziehen, denn es nutzt keinem, die Erzeugung von Biomasse durch nachwachsende Rohstoffe in eine Sackgasse zu fahren. Wir sollten eine langlebige Form der Energieversorgung daraus entwickeln, die vielen Landwirten langfristig eine Existenz sichert und nicht wenigen Großinvestoren für eine befristete Zeit viel Profit, denn damit wäre das Ende 'Energie aus Biomasse' vorprogrammiert und die Schäden für die Zukunft unserer Kinder und Enkel nicht absehbar.