"Unkraut" vergeht also doch!*

So sind zum Beispiel über 90 Arten der typischen Acker-Begleitflora, die zum Teil auch an Feld- und Wegrändern wächst, gefährdet, 14 Arten sind verschollen oder ausgestorben. Insbesondere die Wegränder stellen blüten- und artenreiche Lebensräume dar, die von ökologischer - für den Landwirt aber auch von ökonomischer - Bedeutung sind. Zusammen mit Feldgehölzen, Hecken und anderen Kleinbiotopen bilden die Wegränder wertvolle Saumbiotope in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Raum. Sie dienen als Wanderkorridore zwischen größeren naturbelassenen Restflächen, aber auch als eigener Lebensraum für eine Vielzahl von Arten der Agrarlandschaft. Für diese bieten sie Nahrung, Wohn-, Nist- und Überwinterungsplätze sowie Rückzugsgebiete und Deckung insbesondere für das Wild.

Untersuchungen an Wegrändern haben ergeben, dass hier etwa 1000 Tierarten leben. Davon ist ein nicht unerheblicher Teil als Nützlinge für die Landwirtschaft bekannt, wie z.B. Marienkäfer, Schlupfwespen, Sichelwanzen, Spinnen. Diese Artenvielfalt an Nützlingen ist oft so hoch, dass sie der Ausbreitung von Schädlingen in der Feldflur Einhalt gebieten können. So verzehrt eine Marienkäferlarve während ihrer einmonatigen Entwicklung zum Käfer rund 600 Blattläuse. Da ein Marienkäferweibchen ca. 800 Eier ablegen kann, könnten die Nachkommen eines einzigen Weibchens also über 480.000 Blattläuse vertilgen.

Der Geschäftsführer des NABU Kreisverbandes Gifhorn, Uwe Kirchberger, weist jedoch darauf hin: "Diese wertvollen Lebensgemeinschaften können durch falsche Pflege vollständig zerstört werden. Deshalb sollte die Mahd der Wegränder nicht vor Mitte Juli erfolgen. Außerdem sollte die Schnitthöhe nicht unter 10 cm betragen, da sonst beispielsweise Halmverpupper, Halmschläfer und andere im und am Halm lebende Arten regelrecht weggemäht werden. Weiterhin wird das Kleinklima völlig gestört, der Boden trocknet aus und viele Bodenlebewesen können absterben. Noch besser wäre, einzelne Streifen ganz stehen zu lassen."

Dementsprechend werden auch von NABU-Mitgliedern verschiedene Grünlandbiotope gepflegt. Insbesondere Manfred Deneke verbringt jedes
Jahr über 100 Stunden mit Mähbalken und Einachsschlepper, um Feuchtbiotope und Streuobstwiesen vor der Verbuschung zu bewahren und
somit als Lebensraum u.a. für Schmetterlinge und Heuschrecken zu erhalten.

Manfred Deneke bei der ehrenamtlichen Grünlandpflege
Manfred Deneke bei der ehrenamtlichen Grünlandpflege