Von Ulf Kehlert

Verfolgt und beinah ausgerottet
Der Europäische Biber (castor
fiber) wird im Volksmund auch "Meister Bockert" genannt.
Biber gab es früher recht häufig im Bereich verschiedener großer
Flüsse. Neben der Verfolgung wegen seines Fleisches (der Biber wurde im
Mittelalter irrsinniger weise zum Fisch erklärt, um in der Fastenzeit legal
sein Fleisch essen zu dürfen) und des "Bibergeils" sorgten hauptsächlich
Pelzjäger für einen drastischen Rückgang des Bestandes in Europa.
Flussbegradigungen und Auenwaldbeseitigungen führten ebenfalls zu einem
weiteren Schrumpfen des Bestandes. Natürliche Feinde, wie Luchs, Wolf und
Bär hingegen hatten kaum einen Einfluss auf den Bestand des Bibers.
Bereits im 12. Jahrhundert war der Biber in England und im 16. Jahrhundert in
Italien vollständig ausgerottet worden. Bis zum 18./19.Jahrhundert war
der Bestand in Gesamteuropa soweit dezimiert, dass der Biber hier extrem vom
Aussterben bedroht war. In Deutschland überlebte beispielsweise bis zum
Anfang des 20.Jahrhunderts nur eine Restpopulation des Elbebibers in der Nähe
von Dessau (Castor fiber albicus).
Geniale Meister im Hoch-, Tief- und Wasserbau
Mit bis zu 1,30 Meter Körperlänge
und bis zu 30 Kilogramm Gewicht gehören Biber zu den größten
Nagetieren. Obwohl die nachtaktiven Tiere schwer zu beobachten sind, ist ihr
Aussehen jedermann bekannt: der beschuppte, abgeflachte Schwanz macht Biber
unverkennbar. Charakteristisch ist auch das dichte Haarkleid, das die sich häufig
im Wasser aufhaltenden Biber optimal schützt.
Biber sind Vegetarier. Im Sommerhalbjahr besteht die Kost überwiegend aus
Kräutern und Wasserpflanzen. Dagegen stellt sich der Biber im Winter (Biber
halten keinen Winterschlaf), wenn Schmalhans Küchenmeister ist, auf die
Rinde und Zweige von Bäumen um. Da er die Bäume nicht hinaufklettern
kann, legt er sich die Bäume "mundgerecht" zu Boden.
Bissspuren an der Wipperaller
Biber leben in Familienverbänden,
die aus dem Elternpaar und zwei Generationen Jungtieren bestehen. Nach einer
Schwangerschaft von gut 3 Monaten bringt das Biberweibchen meist 2 bis 3 dicht
behaarte Junge zur Welt, die von Geburt an sehen können. Das Weibchen säugt
die Jungen bis zu 2 Monaten lang. Im dritten Lebensjahr begeben sich die inzwischen
geschlechtsreifen "Halbstarken" auf die Suche nach eigenen Revieren.
Ein Biberrevier umfasst je nach Güte etwa einen bis gut 3 Kilometer Fleißgewässerstrecke.
Den Tag verbringen Biber in unterirdischen Bauen, oder, wenn solche aufgrund
des Grundwasserstandes nicht möglich sind, in selbst angelegten Burgen.
Zum Schutz vor Feinden liegt der Eingang immer unter Wasser. Die Wohnkessel
in solchen Bauen oder Burgen mit bis zu 1,50 Meter im Durchmesser befinden sich
oberhalb des Wasserspiegels. Neben den Bauen graben die Biber über ihr
ganzes Revier verteilt als Verstecke dienende Röhren von 30 Zentimeter
Durchmesser, die mehrere Meter in das Ufer hineinreichen können.
Besonders beeindruckend sind die von den Bibern aus Zweigen, Ästen, Blättern
und Schlamm gebauten, standfesten Dämme, mit denen sie die Fließgewässer
aufstauen. Mit diesen Dämmen regulieren die Biber den Wasserstand, so dass
sich die Eingänge der Baue immer unter Wasser befinden und gestalten gleichzeitig
ein ihnen angenehmes Umfeld mit reichlich Nahrung.
Als professionelle Landschaftsgestalter, die planmäßig ihre Umwelt
formen, sind die Biber im ganzen Tierreich einzigartig. Ihre Bauwerke, besonders
die ausgeklügelt wirkenden Dämme, sind nicht nur faszinierend, sondern
für den Naturhaushalt von unschätzbarem Wert. Dabei schaffen sie nebenbei
noch anderen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.
Die Rückkehr der Biber
Dank der Ausweisung von Naturschutz- und Biberschongebieten, der Anerkennung des Elbebibers als vom Aussterben bedrohte Tierart sowie intensiver Bemühungen ehrenamtlicher Biberbetreuer, konnte seit den 70er Jahren ein deutlicher Bestandsanstieg registriert werden. Heute leben in Deutschland wieder 6.000 Biber. Der Elbebiber ist weiterhin streng geschützt.
Im Gegensatz zu anderen Gegenden Deutschlands, wo Biber gezielt ausgesetzt und somit aktiv vom Menschen in die Population eingegriffen wurde, kehren in unserem Gebiet die Biber von selbst über das Gewässersystem der Elbe wieder in ihren alten Jagdgründe zurück. So sind auch die ersten Biber an der Ohre, die in die Elbe mündet, und im Drömling gesichtet worden. Und da auch die Aller am Drömling vorbei fließt war es für die Biber ein leichtes in das Einzugsgebiet der Weser vorzudringen, dass sie sich jetzt nach und nach erobern.
Wo gibt es Biber im Landkreis Gifhorn
Wanderer bekommen vom Biber wenig
zu sehen. Denn auffällige Burgen errichten die Tiere bei uns eher selten,
viel häufiger graben sie eine Wohnhöhle in die Uferböschung.
Da der Eingang unter Wasser liegt und die Biber nachtaktiv sind, bleibt ihr
heimliches Treiben meist unentdeckt. Nur die sanduhrförmig durchgenagten
Weiden und Pappeln oder ein Biberdamm, mit dem Gräben; Bäche oder
Flüsse angestaut werden, verraten sie dann doch.
Im Landkreis Gifhorn befinden sich die meisten Biberfamilien an der Ohre zwischen
Ohrdorf und Brome, sowie im Drömling. Aber auch an der Wipperaller bei
Brechtorf und im Barnbruch gibt es die ersten Biberreviere.
Die meisten Biberdämme befinden sich allerdings in Naturschutzgebieten,
in den ein ganzjähriges oder saisonbedingtes Betretungsverbot vorherrscht.
Diese Standorte sollte der Mensch meiden.
Wenn man sich tatsächlich mal einen Biberdamm in Natura anschauen möchte
sollte man einmal von der Straße Brome-Wendischbrome auf die Ohre schauen.
Biberdamm Bei Wendischbrome
Dort sieht man dann auch den Biberdamm,
der schon mehrmals in den Medien beschrieben wurde und es auch schon in das
NDR-Fernsehen geschafft hat: hier handelt es um Grenzgänger: die Biber
wohnen in Sachsen-Anhalt und errichten ihre Dämme in Niedersachsen, um
damit wiederum sachsen-anhaltinische Flächen einstaut.