Im Oktober 2004 beschließt die Grundschule Wasbüttel, sich als Umweltschule in Europa zu bewerben. Neben dem Bereich Müllvermeidung und trennung wird die Streuobstwiese in Wasbüttel als Projekt gewählt.
Die Obstwiese hat die Ortsgruppe Samtgemeinde Isenbüttel des NABU von der Gemeinde Wasbüttel gepachtet. Seit mehreren Jahren besteht eine lose Zusammenarbeit des NABU mit der örtlichen Grundschule.
Mit der Bewerbung als Umweltschule wird die Streuobstwiese systematisch jahreszeitlich in den Unterricht aller Klassen eingebunden. Die Kinder der Grundschule begleiten die Wiese durch das Jahr. Die 1. Klassen harken im Frühling und im Herbst die Wiese, die 2. Klassen nehmen am Mostfest teil, die 3. Klassen reinigen die Nistkästen und die 4. Klassen nehmen alljährlich mit besonderen Mitmachaktionen am Blütenfest teil. Die Schülerinnen uns Schüler beschäftigen sich mit dem Lebensraum Wiese.
Häufig befinden sich die Kinder also auf der Streuobstwiese - ohne die Möglichkeit sich unterzustellen oder sich beim Frühstück hinzusetzen. Eine einfache Hütte soll entstehen, drei Wände, Pultdach, fertig.
NABU-Aktivisten setzen sich mit Lehrerinnen und Lehrern zusammen und denken über Realisierungsmöglichkeiten nach. Bärbel und Manfred Deneke vom NABU haben eine zuerst belächelte Idee: Im benachbarten Leiferde baut der NABU-Kreisverband in Nachbarschaft zum Artenschutzzentrum ein Strohballenhaus, warum soll das in Wasbüttel nicht möglich sein?!?!
Eine ortsansässige Architektin wird hinzugezogen, die Pläne werden konkreter. Kontakte zu Gemeinde und Samtgemeinde (Schulträger) werden geknüpft, Kollegium, Eltern und Förderverein der Grundschule werden überzeugt, die Gesamtkonferenz gibt ihre Zustimmung. Fragen bleiben: Ist das nicht eine Nummer zu groß für uns? Können wir das finanzieren? Wer übernimmt die Trägerschaft?
NABU und Grundschule trauen sich: Im April 2005 geht es mit der Materialbeschaffung los. In Zusammenarbeit mit mehreren Kooperationspartnern entsteht im Frühjahr/Sommer 2006 ein Strohballenhaus auf der Obstwiese in Wasbüttel.
· ab April 2005 Zusammentragen und Vorbereiten alter Baustoffe wie Fenster, Ziegel-, Lehm- und Dachsteine durch Schüler, Eltern, Kollegium und NABU
· April 2005 Bauantrag durch ortsansässige Architektin S. Sauß
· März 2006 Bau des Holzständerwerkes durch Klasse BGJ Bau I Zimmerleute der BBS II Gifhorn
· Ende März 2006 Bodenaushub und Auffüllen mit Füllboden durch ortsansässige Landwirte und Feuerwehrleute
· Anfang April 2006 Erstellen des Fundamentes durch den Bauhof der Samtgemeinde Isenbüttel (Schulträger)
· Ende April 2006 Mauern des Sockels durch Maurerklasse BBS II Gifhorn (Prüfungsaufgabe 2. Lehrjahr)
· Ende April 2006 Aufstellen des Ständerwerks (NABU-Mitglieder)
· April 2006 Übernahme der Trägerschaft durch die Gemeinde Wasbüttel
· Anfang Mai 2006 Blüten- und Richtfest auf der Streuobstwiese
· Mitte Mai 2006 Dachdeckerarbeiten durch BGJ Bautechnik BBS II Gifhorn
· Mitte Mai bis Mitte September 2006 Stroh- und Lehmarbeiten durch Schüler, Eltern, Kollegium der Grundschule, NABU, Schüler/innen und Lehrerin der Technikerschule Braunschweig
· Ende September 2006 wird die Grundschule Wasbüttel als Umweltschule in Europa ausgezeichnet. Manfred Deneke vom NABU ist dabei. Die NABU- Mostpresse ist immer von Schülerinnen und Schülern umlagert. Alle genießen den frischen selbst gepressten Apfelsaft
· Anfang Oktober verlegen Schüler der BGJ Bautechnik der BBS II Gifhorn den Fußboden im Gebäude mit alten Ziegelsteinen; der Unterbau war vorher von den Eltern der Grundschule aus Kartoffelsteinen und Sand hergestellt worden
· Am 7. Oktober 2006 kann das Mostfest auf der Wiese stattfinden
Wer mit Lehm baut, muss viele Freunde haben.
Entsprechend dieser alten Weisheit ist es in Wasbüttel gelungen, viele Menschen in das Projekt Strohballenhaus einzubeziehen. Gesamtkonferenz, Schulelternrat und Förderverein der Grundschule mussten zustimmen, Schulträger und Gemeinde haben sich materiell und personell beteiligt, der NABU der Samtgemeinde als Pächter und Nutzer der Streuobstwiese ist neben der Grundschule Bauherr. Landwirte, die Freiwillige Feuerwehr, die ortsansässige Architektin Frau Sauß als Planerin und Bauleiterin und drei Schulen ( Berufsbildende Schulen II Gifhorn, Technikerschule Braunschweig und Grundschule Wasbüttel, d.h. Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 25 Jahren) alle wirken ehrenamtlich am Entstehen des Hauses mit.
Mit dem Strohballenhaus entsteht ein besonderes Gebäude in Wasbüttel, bei dem traditionelle Bauweisen aufgenommen sowie Energie und Ressourcen schonende Baustoffe verwendet werden. Unsere Kinder - und auch die Erwachsenen - werden mit den Themen Umwelt- und Klimaschutz vertraut gemacht bzw. diese werden wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt.
Die Streuobstwiese mit dem Mittelpunkt Strohballenhaus wird wieder stärker von den Menschen in Wasbüttel und Umgebung wahrgenommen.
2007 geht es weiter. Das Strohballenhaus wird an das Wasser- und Abwassernetz angeschlossen und erhält eine Toilette. Es gibt viele weitere Ideen - und einige davon werden sicherlich auch verwirklicht.
Grundschule Wasbüttel + NABU Isenbüttel