Jeder kennt es, man sitzt zusammen
am Kaffeetisch und plötzlich kreist direkt vor dem eigenen Gesicht ein
scheinbar angetrunkenes, gelb-schwarzes Tierchen, dass bei vielen Menschen unkontrolliertes
panisches Herumfuchteln auslöst. Ich spreche hier von Wespen, diesen kleinen,
anscheinend irgendwie kurzsichtigen Insekten (vielleicht deshalb auch das dichte
Herumkreisen vor dem Gesicht) aus der Familie der Hautflügler (Hymenoptera),
welche als einzige staatenbildende Arten aufweist wie z.B. Ameisen, Hummeln,
Bienen und Hornissen.
Trotz diesem zunächst doch etwas penetranten Verhalten sollte man sich
jedoch bewusst machen, dass es sich bei diesen vermeintlichen Plagegeistern
um durchaus nützliche, und nicht etwa grundlos aggressive Tiere handelt,
die darüber hinaus sogar sehr sozial sein können. Nur zwei der acht
heimischen Wespenarten stehen auf Süßspeisen: die gemeine Wespe (Vespula
vulgaris) und die deutsche Wespe (Vespula germanica).
Beide bauen ihre Nester (Staatengröße bis zu 12000 Individuen) meist
versteckt, an dunklen, geschützten Orten. Wer ein freihängendes Wespennest
in seinem Garten entdeckt und hofft durch dessen Entfernen Ruhe zu finden, hat
zunächst einmal - was natürlich allein schon schlimm genug ist - mehrere
Hundert kleiner Seelen auf dem Gewissen. Darüber hinaus aber wird er weiterhin
gelbgestreifte Schmarotzer auf seinem Kuchen antreffen. Die Erklärung für
diese zunächst seltsame Tatsache liegt darin, dass eine dritte weit verbreitete
Wespenart, die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) stark unter dem
Ruf ihrer beiden Verwandten zu leiden hat. Sie kommt zwar niemals zum Kaffeetisch,
baut aber ihre Nester an gut sichtbaren Stellen, welche dann fälschlicher
Weise entfernt werden. Tja es trifft eben immer die Falschen.

Feldwespe
Diese kleine Geschichte zeigt, dass eine Wespe nicht gleich eine Wespe ist. In vielen Fällen werden diese nützlichen Tiere aufgrund ihres schlechten Rufes und aus Unwissenheit getötet. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass mit Hilfe einer fachkundigen Beratung Wespen- und Hornissennester in ca. 80% der Fälle vor Ort verbleiben können. In den Fällen, wo dies nicht möglich ist, wird zusammen mit dem Wespenberater vor Ort eine Lösung erarbeitet. Dies kann in letzter Instanz auch die Abtötung eines Nestes bedeuten. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht notwendig.
Womit habe ich es überhaupt
zu tun?
Um sachgerecht tätig werden zu können ist es unerlässlich, dass
zunächst geklärt wird, um welche Art es sich handelt. Handelt es sich
z.B. um die sächsische oder die mittlere Wespe, dann wäre eine Umsiedlung
oder gar eine Nestentfernung im Juli nicht mehr sinnvoll, da diese beiden Arten
dann bereits kurz vor dem Ende ihres einjährigen Lebenszyklus stehen. Anders
bei deutscher und gemeiner Wespe sowie der Hornisse. Deren Nester sind meist
bis in den Oktober hinein aktiv. Wespenberater haben die notwendige Sachkenntnis,
um in kurzer Zeit vor Ort eine Artbestimmung durchzuführen und sie dann
entsprechend zu beraten.
Sind die Tiere gefährlich?
Grundsätzlich nein. Wespen- und Hornissen stechen nur bei einer unmittelbaren
Bedrohung. Die meisten Stiche lassen sich auf eigenes (zum Teil sicherlich ungewolltes)
Fehlverhalten den Tieren gegenüber zurückführen.
Wie verhalte ich mich in der Nähe eines Nestes?
Wenn Sie einen Sicherheitsabstand von ca. 1,5 m zu dem Nest einhalten, die Hauptan-
und abflugrichtung nicht versperren und Erschütterungen am Nest vermeiden,
können sie sich dem Nest relativ gefahrlos nähern. Dennoch empfehlen
wir, dies nach Möglichkeit nicht zu tun. So steigt dabei die Wahrscheinlichkeit,
dass sich doch einmal eines der Tiere in der Kleidung verfängt. Man muss
zudem sehr ruhig bleiben und darf nicht in Panik geraten, wenn einen einige
der Tiere anfliegen.
Wie lange leben die Tiere?
Dies ist von Art zu Art sehr unterschiedlich, so dass es zunächst besonders
wichtig ist zu klären, um welche Art es sich handelt. Vier der acht heimischen,
sozialen Wespen sind bereits Anfang August kaum noch aktiv. Die anderen Völker
beenden ihren Zyklus im September oder spätestens Oktober. Einzelne Arbeiterinnen
leben nur ca. 4 Wochen, werden jedoch permanent "ersetzt".
Wird das Nest im nächsten Jahr wiederbesiedelt?
Nein. Wespen bauen einjährige Nester, welche im Folgejahr durch neue Jungköniginnen
nicht wiederbesiedelt werden. Erweist sich der Neststandort aber als attraktiv,
so kann es durch Zufall sein, dass im Folgejahr eine neue Nestgründung
in unmittelbarer Nähe des alten Nestes stattfindet. Da verlassene Nester
aber von anderen Insekten (zum Beispiel den nützlichen Florfliegen - Blattlausvernichter)
zum Überwintern genutzt werden, sollte man sie erst im nächsten Frühjahr
entfernen.
Richten die Tiere Schaden am Haus an?
Hat man Wespen oder Hornissen in der Hausfassade, so sind manchmal relativ laute
Kratzgeräusche zu hören. Dies sind jedoch in aller Regel keine Tiere,
die sich in den Innenraum vorarbeiten, sondern die Larven, welche mit ihren
Mundwerkzeugen an den Waben kratzen, um so zu signalisieren, dass sie hungrig
sind.
In einzelnen Fällen erweitern die Tiere ihren Nestraum, indem sie loses
Isolationsmaterial wie Holz oder Glaswolle nach außen transportieren.
Weiterhin sammelt sich insbesondere unter Hornissennestern im Laufe der Zeit
Abfall, welcher u.a. aus den Ausscheidungen der Larven besteht. Ist das Nest
dann in einem schlecht belüfteten Hohlraum, kann dies durchaus zu Geruchsbelästigungen
führen.
Warum lohnt es sich, ein Wespen- oder Hornissennest zu tolerieren?
Nur zwei der heimischen acht sozialen Wespenarten werden dem Menschen im Sommer
lästig. Da der Laie zumeist jedoch nicht zwischen den verschiedenen Arten
differenziert, werden viele Wespennester unnötig zerstört. Wespen
sind Teil der heimischen Natur, wo sie im Frühjahr bei der Blütenbestäubung
helfen. Ein ausgewachsenes Hornissenvolk vertilgt pro Tag etwa 500 Gramm anderer
Insekten wie z.B. Mücken. Somit erweisen sich diese Tiere als äußerst
nützlich.
Sind Wespen geschützte Arten?
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es generell untersagt, wildlebende Tiere
zu stören, zu beeinträchtigen oder gar zu töten. Hierbei besitzt
die Hornisse als streng geschützte Art einen besonderen Status. Nestumsiedlungen
oder gar Abtötungen dürfen daher nur mit einer Genehmigung durch die
untere Naturschutzbehörde erfolgen.
Es handelt sich bei den Wespenberatern ausschließlich um ehrenamtlich handelnde Personen. Daher bitten wir um Verständnis, falls wir telefonisch nicht sofort erreichbar sein sollten. Sofern sie ihre Rufnummer hinterlassen, werden wir sie schnellstmöglich zurückrufen.
Interesse Mitzumachen?
Ziel dieser Arbeitsgruppe ist der Aufbau eines fachkundigen Wespenberaternetzes
im Landkreis Gifhorn. Aufgrund der Größe des Landkreises wäre
es optimal, wenn die Berater gleichmäßig über den Landkreis
verteilt wären. Sollten Sie Interesse an der Thematik haben, so können
sie sich gern hinsichtlich weiterer Informationen mit uns in Verbindung setzen
(Kontakt: florianpreusse@gmx.de)
Weiterführende
Informationen:
www.aktion-wespenschutz.de
www.hornissenschutz-bs.de
www.hornissenschutz.de
www.hymenoptera.de
www.hummelfreund.com
www.wildbienen.info/

Hornisse
Wespe