Allen bekannt dürfte der Weißstorch sein, der im Landkreis noch in einigen Dörfern Brutvogel ist. Seine mächtigen Nester auf Schornsteinen und Hausdächern gehören zum typischen Erscheinungsbild.
Durch Lebensraumzerstörung mangelt es an Nahrung und die Bestände verringern sich zusehends. Wird im Spätsommer die Ernte eingefahren, stolzieren Weißstörche, mitunter in größeren Gruppen, dem Traktor hinterher um die eine oder andere Maus zu erbeuten. Auch sind Ansammlungen auf den Feldern insbesondere gegen Ende August nicht selten. Hier versammeln sich die Störche um gemeinsam den Zug in den Süden anzutreten. Anfang bis Mitte April kehren diese exzellenten Segelflieger aus ihrem Winterquartier zurück, besetzen ihre angestammten Nester und ziehen mit ihrem typischen Geklapper die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Beobachters auf sich.
Wesentlich
seltener ist der Schwarzstorch. Er bevorzugt die größeren Laubwälder
mit kleineren sauberen Fließgewässern als Lebensraum. Schöne Beobachtungen gelingen
besonders im Spätsommer an verschiedenen Gewässern wie dem Viehmoor, dem Teichgut
in Groß Oesingen, dem Ilkerbruch und der Okerniederung. Auch der Schwarzstorch
zieht in den Süden, jedoch wesentlich später als der Weißstorch, sodass Beobachtungen
auch noch bis Mitte Oktober möglich sind.
Graureiher sind relativ witterungsunabhängig und in unseren Breiten das ganze Jahr hindurch zu beobachten. Bei starkem Frost und einer geschlossenen Schneedecke suchen sie die nächst größeren, offenen Gewässer auf. Als Koloniebrüter in Gewässernähe eignet sich das Viehmoor, Teichgut und der Ilkerbruch besonders zum Beobachten. Da der Graureiher zur Jungenaufzucht nicht nur gewässergebunden ist, sondern auch kilometerweite Nahrungsflüge unternimmt, geben auch Brachflächen schöne Beobachtungsmöglichkeiten. Da Fische seine Hauptnahrung ist, wird er im Volksmund auch Fischreiher genannt, jedoch verschmäht er Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien und mitunter sogar Kleinvögel nicht.
In jüngster Zeit zieht es auch den in südlichen Gefilden beheimateten Silberreiher in unsere Breiten, jedoch steht ein Brutnachweis in Deutschland noch aus. Durch starke Südostwinde aus dem österreischen- und ungarischen Brutgebiet abgedriftet erscheinen Einzeltiere oder auch kleinere Grüppchen an unseren Gewässern. Der Ilkerbruch, der Okeraltarm und das Viehmoor sollten immer wieder nach diesem auffälligen, graureihergroßem Vogel abgesucht werden. Im Prachtkleid trägt dieser einen schwarzen, im Schlichtkleid einen gelben Schnabel, wodurch dieser Vogel mit dem kleineren wesentlich selteneren Seidenreiher oder auch dem meist aus Gefangenschaft entwichenen Küstenreiher verwechselt werden kann. Ein Blick ins Bestimmungsbuch klärt aber auf.
Mit
zunehmender Kontinuität bereichern auch Kuhreiher unsere Breiten. Diese
recht kleinen Reiher sind ebenfalls im Süden beheimatet und hiesige Beobachtungen
sind auf Zooflüchtlinge zurückzuführen. Dieser Reiher ist schnell mit dem noch
wesentlich selteneren Rallenreiher zu verwechseln der aber geschützte
Gewässerränder mit breiten Schilfsäumen bevorzugt und nur ausnahmsweise im norddeutschen
auftaucht.
Abschließend seien noch die Dommeln erwähnt, wie die Rohrdommel, die in absehbarer Zeit bei uns aussterben wird, wenn nicht Schutzmaßnahmen ins Leben gerufen werden.. Dieser äußerst schwer zu beobachtende Vogel macht eigentlich durch seinen Ruf auf sich aufmerksam, der wie ein entferntes Nebelhorn klingt und bis zu 5 Kilometer weit zu hören ist. Die Rohrdommel ist Gewässer gebunden und bevorzugt breite Schilfgürtel als Lebensraum. Fühlt sich die Dommel unbeobachtet fliegt sie auch schon mal am Tage auf und lässt das Beobachterherz schneller schlagen, denn in der Regel sind diese gut getarnten Vögel nachtaktiv. Entdeckt man eine Dommel durch Zufall, geht diese in die sogenannte Pfahlstellung über, (also den Kopf steil nach oben gestreckt und verharrt völlig regungslos an ihrem Platz bis die Gefahr für sie vorüber ist). Besonders geeignete Beobachtungsplätze für diesen von Fischen, Fröschen und anderen Kleintieren lebenden Vogel sind die Schilfbereiche im Ilkerbruch und dem Teichgut. Einzelnachweise gibt es aus dem Viehmoor und der Okerniederung.
Als
sporadischer Brutvogel tritt die Zwergdommel bei uns auf. Dieser Vogel
lebt noch heimlicher an schilfumsäumten Gewässern. Insgesamt ist dieser Vogel
doch recht lebhaft und an geeigneter Stelle verraten die knackenden und schnarrenden
Geräusche von Schilfhalmen die die Zwergdommel erklimmt, ihre Anwesenheit. Sie
fliegt auch am Tage kurze Strecken und kann dabei besonders gut beobachtet
werden. Dieser recht kleine Vogel zieht im September Afrika und kehrt in der
Regel im April zurück. Gerüchten zu folge gibt es Nachweise aus dem Viehmoor,
dem Okeraltarm und einen Brutnachweis aus jüngster Zeit von den Meiner Stapelteichen.
Da dieser Vogel aber nicht sonderlich reviertreu ist, sollten sämtliche Schilfgebiete
im Landkreis im Frühjahr verhört werden, um die Zwergdommel zu entdecken.
Olaf Lessow
(Fotos: O. Lessow)