Gemeint sind hiermit nicht irgendwelche
dubiosen Gestalten im fahlen Mondscheinlicht dunkler Gassen sondern eine äußerst
spannende Vogelgruppe.
In unseren Gefilden kommt lediglich der Neuntöter oder auch Rotrückenwürger
genannt, der Raub- oder auch Grauwürger genannt und als Ausnahme der Rotkopfwürger
vor, wenngleich auch mit dem sehr seltenen Schwarzstirnwürger aus dem Südosten
zu Rechnen ist.
Dem einen oder anderen wohl geläufig, ist die Konservierungsmethode der
Nahrung dieser Vögel. Sie "piecksen" oder "spießen"
ihre Beute, in der Regel Großinsekten oder auch Mäuse regelrecht
auf. Hierfür benötigen sie Dornbüsche und in deren Ermangelung
benutzen sie sogar den verpönten Stacheldraht.
Offene Dornbuschreihen wie wir sie z. B. in der Okerniederung, im Bereich des
Ilkerbruchs, im gesamten Drömling oder auch im Südkreis als Feldbegrenzung
finden, sind der bevorzugte Lebensraum.
Insbesondere der Neuntöter ist bei uns recht zahlreich anzutreffen. Die
besten Beobachtungen gelingen in der Regel ab dem 10. Mai, da ist dieser Würger
aus dem Afrikanischen zurückgekehrt und vollzieht umgehend die Balz. Hierbei
ist er nicht sonderlich wachsam, so dass man dann schöne Beobachtungen
tätigen kann. Hat das Paar einen Brutbusch bezogen, sieht man meist nur
noch das Männchen in der Nähe auf einer Buschspitze Ausschau haltend.
Hier fällt auch die Gesichtsmaske auf, die dem Vogel das Aussehen eines
"Panzerknackers" oder auch dem des berühmten "Zorro"
verleiht. Fühlt sich der Neuntöter gestört, warnt er mit einem
steten "schakschakschak". Feinde wie kleinere Greifvögel, Krähen
oder auch Säuger werden sehr erfolgreich und vor allem energisch bedrängt
bis diese das Weite suchen.
Neuntöter
Sehr selten ist bei uns der Raubwürger geworden, der in etwa dasselbe Verhalten
wie der Neuntöter aufweist. Der Raubwürger erbeutet sogar kleinere
Vögel und verweilt den Winter über in unseren Breiten. Hier kann man
diesen hübschen Vogel dann auf Stromleitungen, abgestorbenen Astspitzen
oder eben auch Verkehrsschildern nach Nahrung Ausschau haltend beobachten. Bei
Kälteeinbrüchen kommen gelegentlich die nordischen Raubwürger
ins Norddeutsche, diese zeigen dann kaum Fluchtdistanz und lassen sich bestens
beobachten.
Raubwürger
Der sehr hübsche Rotkopfwürger kommt nur noch inselartig, insbesondere
in den neuen Bundesländern vor, kann aber durchaus auf dem Weg- und Heimzug
beobachtet werden. Auch dieser Würger spießt seine Beute gern auf,
jedoch handelt es sich meist um Großinsekten die er sehr geschickt fängt.
Diese werden aber durch Industrialisierung, Versiegelung der Landschaft usw.
immer seltener, so dass der Rotkopfwürger weiter in südliche Gefilde
abstreicht.
Rotkopfwürger
Der Schwarzstirnwürger ist hier absoluter Ausnahmegast, man findet ihn
lediglich im österreichischen Burgenland oder noch südöstlicher
vor. Dennoch sollte man Gewissenhaft die Würger und hier ganz besonders
den Raubwürger eingehend studieren, so dass beim Beobachten der Schwarzstirnwürger
ausgeschlossen werden kann.
Entdeckt der ein oder andere beim Spaziergang also aufgespießte Tiere
im Brombeerbusch, auf den Spitzen verschiedener Dornbüsche usw., handelt
es sich hier also um die "Vorratskammer" der bei uns immer seltener
werdenden Würger und will man diesen auch zu Gesicht bekommen, harrt man
in sicherer Entfernung aus und verhält sich ähnlich einem amerikanischen
"Profiler", denn der Würger kehrt immer an den Ort an dem er
seine Beute deponiert hat, zurück...
Olaf Lessow